Tagung „Mobbing und Stalking – ein gesellschaftliches Problem“ am 16./17. März 2013

Im Rahmen der Tagung „Mobbing und Stalking – ein gesellschaftliches Problem“ hielten die Sturmsegler ihren ersten Vortrag. Das zweitägige Programm der Veranstatung beleuchtete die Themen Mobbing und Stalking von verschiedenen Seiten: Rechtsanwälte, Psychiater und Wissenschaftler referierten über die Hintergründe, Schwierigkeiten und Folgen dieser Formen von psychischer Gewalt.

Der Titel des Sturmsegler-Vortrags lautete: „Ursachen für Mobbing und mögliche Wege heraus“ und kann hier heruntergeladen werden.

Die Sturmsegler fokussierten sich auf das Thema Mobbing (hier als Oberbegriff von Mobbing, Bossing, Bullying gemeint) und beleuchteten zunächst, wodurch es überhaupt zu Mobbing kommt: was treibt einen Menschen an, zum Täter zu werden? Und wodurch zeichnet sich ein Umfeld aus, in dem Mobbing „praktiziert werden kann“? Anschließend wurde aufgezeigt, was man tun kann, um einer Mobbingsituation Herr zu werden. Dabei fokussierten sie nicht auf „die Bekämpfung des Täters“, sondern auf das Umfeld, das erst den Nährboden für Mobbing liefert. Hier geht es darum, Führungskräfte und Mitarbeiter zu sensibilisieren und zu befähigen, damit sie den Ernst der Lage erkennen und Mobbern und Bossern ein klares Stoppschild entgegen setzen. Fallbeispiele illustrierten, dass das vorgeschlagene Vorgehen zu Erfolgen führt und dass auch Teilerfolge ein riesen Erfolg sind! Eine Zusammenfassung von Erfolgsfaktoren, Präventivmaßnahmen und Literaturtipps rundeten den Vortrag ab, sodass die Folien auch gut als Informationspaket verwendet werden können.

Bereits während des Vortrags fand ein angeregter Austausch mit den Tagungsteilnehmern statt, der in der anschließenden Fragenrunde noch intensiviert werden konnte und den Sturmseglern Aufwind unter ihre Flügel gegeben hat. Ihre Ausführungen fanden die breite Zustimmung und auch der Ansatz, dass der Verein die psychische Gewalt in den Fokus nimmt, wurde als wirkungsvollste Vorgehensweise bestätigt. Ulrich Fuchs, Initiator der Tagung, drückte prägnant den Stellenwert der psychischen Gewalt in unserer Gesellschaft aus: „Die körperliche Gewalt wurde seit Mitte des letzten Jahrhunderts weitgehend aus dem öffentlichen Leben verdrängt – und durch psychische Gewalt ersetzt.“ Dem können die Sturmsegler nur zustimmen, denn während es früher als normal angesehen wurde, dass z.B. Kinder in der Familie und in der Schule geschlagen werden, sieht es heute die breite Masse (noch!) als normal an, dass Kinder psychisch misshandelt und Mitarbeiter gedemütigt, schikaniert und ausgegrenzt werden. Wir können es schaffen, psychische Gewalt auf dieselbe Stufe wie körperliche Gewalt zu stellen. Dazu ist jedoch ein Bewusstseinswandel nötig.

Die Tagungsteilnehmer, die aus ganz Deutschland – wie z.B. Berlin, Köln, Bielefeld -angereist waren, sind allesamt Experten auf dem Gebiet von Mobbing und weiterer Formen psychischer Gewalt. Experten einerseits meist durch persönliche Erfahrung und in der Folge durch die intensive Beschäftigung mit verschiedensten Handlungsoptionen für Individuen, aber auch mit der gesellschaftlichen Dimension des Problems. Zahlreiche Teilnehmer engagieren sich haupt- oder nebenberuflich für den Erhalt unserer Demokratie, indem sie Vereine, Netzwerke oder Selbsthilfegruppen gegründet haben oder sich in etablierten Initiativen einbringen wie z.B. im Whistleblower Netzwerk e.V. oder in der Bürgerrechtsorganisation Humanistische Union. Alle Anwesenden waren sich einig: Der Umgang der Menschen miteinander ist in unserem Land zutiefst besorgniserregend. Sei es in Unternehmen, Institutionen, (Hoch-) Schulen, NGOs, in den Justizbehörden und Ministerien – überall wird psychische Gewalt praktiziert und Mobbing entweder bewusst und zielgerichtet eingesetzt oder bagatellisiert und geduldet. Die Medien leisten mit ihren reißerischen Stories, ihren Hetzkampagnen und ihren Demütigungs-Sendungen einen erheblichen Beitrag zu dieser Entwicklung. Parallel zur Dauer-Hypnose „Geiz ist geil“ wird auf vielen Kanälen die Dauer-Hypnose „Demütigung ist geil“ gesendet.

Uta Pook, Vorstand der Sturmsegler, zeigt auf, welchen Einfluss jeder Einzelne auf diese Entwicklung nehmen kann – ohne die Medien selbst angreifen zu müssen oder böse Briefe zu schreiben: einfach indem er solche Programme nicht mehr konsumiert und sein direktes Umfeld (Freunde, Bekannte, Kollegen, Familie) dafür sensibilisiert, was in diesen Sendungen transportiert wird, welche Auswirkungen dies für die Betroffenen Menschen haben muss, z.B. für die Insassen eines „Dschungel-Camps“ von „Germany’s Biggest Loser“ (!) oder „Bauer sucht Frau“. Wie muss es sich anfühlen, vor einem Millionen-Publikum herabgewürdigt, bloßgestellt, gedemütigt und auf Schritt und Tritt beobachtet und begafft zu werden? Sind Sendungen von Stefan Raab wirklich lustig, oder hat sich das Publikum einfach schon an öffentlich zelebrierten Sadismus gewöhnt? Ist sich der Zuschauer, der sich die Sendung vielleicht zur Entspannung oder zum Amüsement ansieht, darüber bewusst, dass er diesen Umgang unter Menschen billigt und somit stillschweigend sein Einverständnis abgibt? Schleichend, aber nachhaltig werden so neue Normen für das Mit- bzw. Gegeneinander etabliert – genau wie im Unternehmen wo Mobbing geduldet wird. Auch auf dieser – vielleicht etwas banal klingenden Ebene – kann man einiges gegen psychische Gewalt unternehmen: das eigene Umfeld sensibilisieren und „Stop“ sagen.

Natürlich gibt es noch vieles mehr, was man tun kann, z.B. sich zu vernetzen. Wir Sturmsegler haben auf der Tagung viele interessante Kontakte geknüpft und so werden wir in der nächsten Zeit gemeinsam Ideen entwickeln um ganz konkrete Sturmsegler-Angebote zu formulieren und so richtig loszulegen. Wir freuen uns auch über Anregungen! Schreiben Sie uns einfach eine E-Mail.

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